Web Design

Webdesign ist für eine Internet-Agentur die Schlüsseldisziplinen schlechthin – kein Wunder. Bei mehreren Milliarden aktiven Webseiten im Internet, dürfte es niemanden verwundern, dass der Bedarf nach fachgerechtem Webdesign in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Für die Umsetzung haben sich eine Vielzahl an Lösungsansätze entwickelt – die Zukunft zeigt jedoch deutlich, dass Trend Richtung do-it-yourself geht – verlieren die großen Agenturen hierdurch ihre bisherige Marktdominanz?

So schwer die Gegenwart sein kann und so unvorhersehbar die Zukunft erscheint – umso schöner ist es die Vergangenheit zu belächeln. Vieles von dem, was in weiten Teilen der Gesellschaft noch vor 100 Jahren an Mode, Gepflogenheiten, Standards und Arbeitsweisen üblich war, gilt heute völlig überholt. Mit dem technischen Wandel, den das Internet beschleunigte, kommen und gehen Trends schneller als je zuvor. Was vor wenigen Jahren im Internet und der Online-Community angesagt war, hat schon wenige Jahre später kaum noch Relevanz.

Leuchtend, bunt, unaufgeräumt: Web Design in den 1990er Jahren.
Leuchtend, bunt, unaufgeräumt: Web Design in den 1990er Jahren.

Beispielhaft für diese Entwicklung ist das Webdesign. Wer rund 20 Jahre in die Vergangenheit geht und sich die Webseiten von damals ansieht, dürfte nicht selten erstaunt sein über die technischen und vor allem grafischen Entwicklungen der letzten Jahre. Während in den 1990er Jahre jede angesagte Firmen-Webseite eine passende musikalische Untermalung, eine GIF-Animation und einen Mauszeiger mit „aufwändiger“ grafischer Spur beinhalten sollte, gelten solche Effekte heute als verpönt und veraltet.

Zugegeben, die Anfänge des Webdesigns waren nicht so geschmeidig wie einige der besten Homepages von heute vermuten lassen. Alles fing mit einfachen HTML-Seiten an, die professionelle bis weniger professionelle Programmierer entwickelten, in ihren grafischen Gestaltungen jedoch stark limitiert waren. In einem Jahrzehnt, das für seine Ausgeflipptheit und Buntheit bekannt war, durfte in den 1990ern keine Gelegenheit ausgelassen werden um die Webseite möglichst abwechslungsreich, bunt und aufwändig zu gestalten.

Web Design mit dem Homepage-Baukasten

Mitte und Ende der 1990er Jahre, als der Bedarf nach einer eigenen Webseite – sei es für Hobby, Unternehmen oder Non-Profit-Projekt – immer mehr anstieg, stieg auch der Bedarf nach einfacheren Homepage-Lösungen immer mehr, was schließlich in zahlreichen Do-it-yourself-Lösungen gipfelte. Einige der bekanntesten Homepagebaukästen der damaligen Zeit hießen Geocities und Beepworld. Während Geocities im Jahr 2009 an Yahoo verkauft wurde, bietet Beepworld bis zum heutigen Tage Homepages mittels Baukasten an.

Im Laufe der letzten Jahre hat sich dieses Marktsegment sehr stark professionalisiert. Mittlerweile bieten Marktführer wie Squarespace, Wix.com oder 1und1 IONOS mehrere hundert professionelle Design-Vorlagen in ihren Homepage-Baukästen und bieten vom Blogger bis zum Mittelstandsunternehmen für alle Segmente die passende Webseite.

Zwischen 1999 wie 2019 hat sich zwar technisch vieles geändert, die Vor- und Nachteile eines Homepage-Baukastens sind jedoch weitgehend gleich geblieben. Der offensichtliche Vorteil: Der Anwender benötigt keine Programmierkenntnisse um eine brauchbare Webseite zu entwickeln. Die Entwicklung läuft im Idealfall innerhalb weniger Stunden, vorausgesetzt die Inhalte für die Webseite sind bereits fertiggestellt. Der offensichtliche Nachteil: Durch die begrenzte Anzahl der Templates erhält jede Webseite einen unfreiwilligen Wiedererkennungswert. Auch wenn dieser Effekt in den letzten Jahren durch die große Zahl der Templates abgenommen hat, können Profis auch heute auf den ersten Blick leicht zwischen einem Homepagebaukasten-Template und eine vollständig selbst entwickelte Webseite unterscheiden.

Squarespace ist weltweiter Marktführer in Sachen Homepage-Baukästen.

Aus den oben genannten Gründen richten sich Homepage-Baukästen hauptsächlich an Kleinunternehmer, Blogger, Vereine, kleine und mittlere Unternehmen. Auf Grund der grafischen und funktionellen Limitierung eignen sich Homepagebaukästen in großen Unternehmen und Großkonzernen kaum bis überhaupt nicht, bzw. stoßen hier schnell an ihre technischen Grenzen, insbesondere bei E-Commerce-Anwendungen, in denen die Bandbreite begrenzt ist.

Zu den Funktionen eines Homepagebaukastens zählt neben der bereits erwähnten Template-Auswahl auch die Wahl zwischen verschiedenen Tarifgruppen, die unterschiedliche Leistungen beinhalten. Die großen Anbieter wie etwa Wix.com, 1und1 IONOS und Strato gliedern ihren Homepage-Baukasten in 3 bis 5 Tarife. In den Basis-Tarifen erhalten Anwender meist eine kleine Auswahl an Templates, ein E-Mail-Postfach und eine Webseite mit Werbeeinblendungen. Je mehr Leistung und je weniger Werbung der Anwender bevorzugt, desto höher sind die Kosten die hierfür anfallen. Pro Jahr fallen durchschnittlich zwischen 250 und 300 EUR für den teuersten Tarif bei den Marktführern an. Die günstigste Homepage gibt es bei Jimdo bereits für 0,00 EUR – dafür jedoch mit Werbeeinblendungen und nicht mit eigener Domain.

Die einzelnen Leistungsbestandteile verteilen sich bspw. auf den Webspace, die Bandbreite und Zusatzfunktionen wie etwa SEO-Tools oder Gutscheine für hauseigene App-Stores (Wix.com). Die meisten Verträge werden für 12 bis 24 Monate abgeschlossen. Einzelne Anbieter wie beispielsweise Strato bieten Monatsverträge mit kurzen Kündigungsfristen an – die Kosten für diese Modelle sind entsprechend höher.

Als Fazit lässt sich bei Homepage-Baukästen festhalten: Für Einsteiger ein hervorragendes und günstiges Tool für die ersten Schritte zur eigenen Webseite. Mit den vorgefertigten Templates und vielen bereits vorgefertigten Inhalten lassen sich HTML-Kurse spielend leicht überspringen. Für Fortgeschrittene und Profis und gerade auch für große Online-Shops und Unternehmen dürften Homepagebaukästen nur eingeschränkte Entfaltungsmöglichkeiten bieten. Auch wenn mittlerweile viele Anbieter den Upload von eigenem HTML-Code erlauben, so ist es gerade bei komplexeren Anbindungen an ERP-Systemen und Schnittstellen empfohlen, auf selbstgebaute Lösungen zurückzugreifen.

Java, HTML, PHP – Homepages selbst gemacht

Neben dem Homepage-Baukasten ist die Homepage-Entwicklung per HTML, PHP, Java und co. die am nahe liegendste Lösung. Gerade Selbstständige bzw. Einzelunternehmer mit dem entsprechenden Background haben für den Mehraufwand eine deutlich flexiblere Webseite die – bei entsprechender Programmierung – einen unverwechselbaren Charakter hat, der sich nicht einfach so kopieren lässt.

Webseiten in Java – die Wunschlösung für viele Entwickler und Programmierer.

Auch hier dürften die Vor- und Nachteile auf der Hand liegen: Der Vorteil liegt in dem bereits erwähnten einzigartigen Design. Zudem können nicht alltägliche und unübliche Änderungen an der Webseite vorgenommen werden ohne dabei auf mögliche Limitierungen von außen (wie bei einem Homepagebaukasten) Rücksicht nehmen zu müssen. Hinzu kommen aber auch einige Nachteile wie bspw. der höhere Wartungsaufwand. Für die Einzigartigkeit der Webseite fällt meist auch ein größerer Entwicklungsaufwand an. Wenn Wix.com damit wirbt, dass die Webseite innerhalb von 5 Minuten online sein kann, so ist das bei einer selbst entwickelten Webseite nicht zwangsläufig der Fall. Für Unternehmen, die ihre Webseite nach diesem Prinzip entwickeln lassen, kann zudem eine Unabhängigkeit entstehen. Gerade bei ungewöhnlichen Anforderungen, kann durch eine stark individuell entwickelte Seite schnell die Abhängigkeit zu einem Programmierer entstehen. So muss bspw. für jede Änderung der Programmierer beauftragt werden, was schnell zu einer Ansammlung von Zeitstunden führen kann. Somit kostet jede Veränderung Geld (bei Stundensätzen von 50 EUR +, kann diese Art zu arbeiten schnell ins Geld gehen).

Fazit: Von Grund auf entwickelte Webseiten haben in der Regel weniger Limitierungen als Webseiten die aus dem Homepage-Baukasten kommen. Dafür ist die Entwicklung in der Regel aufwändiger und auch die Wartung kann gerade im kommerziellen Dienstleister-Bereich schnell ins Geld gehen. Auf der Haben-Seite stehen jedoch deutlich mehr Flexibilität in der Gestaltung sowie Designs, die einen unverwechselbaren Eindruck beim Besucher hinterlassen.

Die Kompromisslösung: Homepages mit CMS-Systemen

Bisher haben wir die zwei Wege aufgezeigt, wie Anwender zu einer ansprechenden Webseite kommen können. Beide Wege bieten Vor- und Nachteile – was wäre wenn man aus beiden Varianten alle Vorteile ohne die Nachteile hätte? Hier bieten CMS-Systeme wie etwa WordPress, Joomla und Typo3 oft die richtige Antwort – natürlich auch nicht ganz ohne ihre eigenen Probleme.

WordPress ist das weltweit erfolgreichste Content Management System (CMS).

CMS-Seiten (Custom Management Systems) haben spätestens seit der starken Verbreitung von WordPress erheblich an Bedeutung gewonnen. Ursprünglich als Blogging-Software in den frühen 2000er Jahre auf den Markt gekommen, hat sich WordPress mittlerweile zum beliebtesten CMS weltweit entwickelt. Wir zeigen an WordPress exemplarisch die Vor- und Nachteile eines CMS und werden abschließend WordPress mit anderen gängigen CMS wie etwa Joomla oder Typo3 vergleichen.

WordPress ist eine Software die im Internet frei verfügbar ist und durch eine lebendige Community regelmäßig mit Updates versorgt wird. Wer WordPress nicht als bestehende Installation auf einem fremden Server nutzen möchte, benötigt zur Installation einen freien Webspace (idealerweise 1 GB oder mehr) sowie eine freie Kapazität auf einer Datenbank. Die Software kann mittels FTP auf dem Server installiert werden oder im Benutzerbereich des Server-Anbieters installiert werden (so bspw. Bei 1und1 IONOS im Unlimited-Paket).

Die Funktionsvielfalt bietet im Grunde eine Mischung aus Homepagebaukasten und selbst entwickelter Homepage. Insofern bietet WordPress für viele Anwender die beste Mischung aus beiden Welten. Im Backend-Bereich können Anwender neue Seiten und News-Beiträge anlegen, die Grundfunktionen der Webseite gestalten (bspw. Benennen des Seiten- und Untertitels). Darüber hinaus gibt es mehrere tausend Templates, die sich in Basis- und Pro-Versionen unterteilen und vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Diese Templates können auf dem Server installiert und nachträglich umgestaltet werden – hier kristallisieren sich die Unterschiede zum Homepage-Baukasten heraus.

Vergleichsweise komplex: Das Typo3-Backend

Den Gestaltungsmöglichkeiten in CMS wie WordPress sind nur wenige technische Grenzen gesetzt. Eigene CSS sowie HTML-Codes können im Editor hochgeladen, ganze Themes individuell können angepasst werden. Durch die Installation von zusätzlichen Plugins, lassen sich außerdem aufwändige Programmier-Arbeiten durch eine einzige Installation überspringen. Somit bietet WordPress viele Vorteile aus einer eigens entwickelten Seite und einem Homepagebaukasten.

Wären CMS wie WordPress ganz ohne Fehler, so wären wahrscheinlich alle Webseiten weltweit auf Basis von CMS. Natürlich gibt es bei WordPress einige mehr oder weniger signifikante Probleme, die vor der Anwendung bedacht werden sollten. Zum einen ist für die Nutzung von WordPress gewisse Vorkenntnisse erforderlich. Gerade wenn das System per FTP aus einem Server installiert werden soll. IT- Grundkenntnisse – auch in der Bearbeitung von Datenbanken – sind hier unverzichtbar. Weitere Nachteile ergeben sich bei der Installation von Updates. Oft sind ältere Plugins nicht mit neuen WordPress-Updates nicht kompatibel – und umgekehrt. Durch die große Verbreitung von WordPress als CMS ist auch die Sicherheit ein wichtiges Thema. WordPress-Seiten werden regelmäßig gehackt und sind in diesem Punkt anfälliger als selbst entwickelte Seiten oder Homepages aus dem Baukasten.

Leistungsvielfalt von Joomla.

Die Probleme bei einer Typo3- oder Joomla-Seite sind vergleichbar. Typo3 erlaubt mehr Gestaltungsmöglichkeiten als bspw. eine WordPress-Seite, ist jedoch im Backend – das heißt in der Bedienung – deutlich komplexer als ein WordPress-Backend. Joomla bietet auch eine Vielzahl von Lösungsansätzen, ist jedoch in der Flexibilität deutlich eingeschränkter sind als Typo3, in Sachen Komplexität dürfte Joomla zwischen WordPress und Typo 3 liegen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Content Management Systeme eine gewaltige Anzahl an Vor- und Nachteilen bieten. Während Kompatibilitätsprobleme zwischen WordPress-Version und Update sowie die Sicherheitslücken regelmäßig für Ärger in der Community sorgen, dürfen die Vorteile keinesfalls ignoriert werden. WordPress bietet mehr gestalterische Flexibilität als die meisten Homepagebaukästen und lässt sich zudem leichter installieren als eine eigens entwickelte Seite. WordPress ist das am weitesten verbreitete CMS und dürfte für alle Zielgruppen eine interessante Alternative zu Homepages und Homepage-Baukästen bieten.

Wer macht mir mal ’ne Homepage? – Webseiten machen lassen

Wer sich nicht gerade selbst die Mühe machen möchte eine Homepage von Grund auf oder mittels CMS zu entwickeln, hat vielfältige Bezugsmöglichkeiten für eine Webseite. Die klassischen Wege führen hier zu einer Webagentur oder zu selbstständigen Freelancern. Beide bieten Vor- und Nachteile und eignen sich meist für festgelegte Zielgruppen.

Umsetzung: Freie Mitarbeiter und Freelancer

Mittlerweile gibt es einen kaum mehr zu überblickenden Markt an Freelancern die Webdesign als Service anbieten. Durch Offshore-Entwicklung, bspw. In Indien, Russland oder Polen, haben sich die Preise zudem deutlich reduziert, sodass es mittlerweile Entwickler gibt die eine Webseite für unter 500,00 EUR fertigstellen. Wie bei jedem Produkt und jeder Dienstleistungen auf dem Markt entscheidet der Preis meist über Qualität. Wer für 500,00 EUR ein Produkt kauft, das im Durchschnitt 1.500 EUR kostet, darf keine großen Erwartungen an das Ergebnis haben.

Als Vorteil erweist sich bei dieser Vorgehensweise, dass die Leistungen an den Freelancer outgesourct werden können. Wenn keine eindeutige schriftliche Vereinbarung festgehalten wird, kann sich diese Art zur arbeiten schnell zur Kostenfalle entwickeln. So kann das Projekt – je nach Freelancer – als Fass ohne Boden enden. Da Freelancer sich ihre Projekte aussuchen können, entsteht meist das Problem, dass das eigene Projekt selten voll priorisiert wird – was wiederum zu langen Wartezeiten führen kann.

Agentur mit Web Design beauftragen

Abschließend lohnt sich ein Blick auf die Agentur. Womit wir wieder zur Ausgangsfrage zurückkommen: Lohnt es sich bei den ganzen günstigen Anwendungen überhaupt eine Agentur für mehrere tausend Euro zu beauftragen? Die Antwort: Ja, aber nicht für jeden. Für Großunternehmen ist die Beauftragung einer Agentur nach wie vor unverzichtbar. Hier geht es nicht nur um den vollen Support und den festen Ansprechpartner sondern auch um die Erreichbarkeit wenn wichtige Änderungen, bspw. im Bereich E-Commerce, durchgeführt werden müssen. Hierbei handelt es sich um eine Leistung die kein Homepagebaukasten und kein CMS ersetzen kann.